Es gibt Neuerscheinungen, die werden so sehr bejubelt, dass man fast skeptisch wird. „Ein solches Buch habe ich noch nicht gelesen“, schrieb Herta Müller in der ZEIT über <b>András Viskys</b> Roman Die Aussiedlung: „Es ist eine Sensation.“ Und Péter Nadás meinte gar: „Ein Buch, wie es kaum jemals in einem Jahrhundert geschrieben wird.“ Und dann beginnt man mit der Lektüre und weiß schon nach wenigen Seiten: Tatsächlich, es ist nichts weniger als ein Jahrhundertbuch. András Visky, Jahrgang 1957, ist ein namhafter ungarischer Dramatiker und Regisseur. Mit 65 Jahren veröffentlichte er seinen ersten und einzigen Roman Die Aussiedlung, in dem er von seiner Kindheit in der ostrumänischen Verbannung erzählt, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Die Familie richtet sich in Erdhöhlen und verlassenen Dörfern ein, der Willkür betrunkener Wärter ausgesetzt. Sippenhaft. „Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage."
Fotocredit: András Visky © Gábor Kiss