Baba Stiltz entzieht sich jeder musikalischen Schublade. In der Underground-Szene gehört die Abgrenzung von Genres fast schon zum guten Ton – doch nur wenige Künstler haben sich so weit vorgewagt wie er. In den vergangenen zehn Jahren bewegte er sich zwischen American Primitive Guitar, Produktionen für Yung Lean, experimentellem House und reduzierten Gitarrensongs. Für seine Filmmusik gewann er zudem den renommierten Guldbagge Award. Sein Antrieb: „Ich will Angst haben. Ich will nicht wissen, was ich tue.“
Auf den ersten Blick mag Baba wie ein unbeteiligter Tausendsassa wirken, der sich spielerisch durch Stile bewegt. Doch seine jüngeren Arbeiten, darunter *Paid Testimony* (2023) und *Blurb*, die gefeierte Kollaboration mit Okay Kaya, zeigen einen Künstler, der sich zunehmend mit seinem eigenen Ego auseinandersetzt. Statt Glamour und Inszenierung sucht er nach musikalischer Ehrlichkeit. Auf „Stockholm“ singt er mit lakonischer Lou-Reed-Stimme über ein Leben zwischen Neid, Selbstzweifeln und den Widersprüchen des eigenen Alltags.
Geprägt wurde Baba durch seine Kindheit zwischen Vacaville in Kalifornien und Stockholm. Dort entwickelte er sich zu einer festen Größe der experimentellen House-Szene, veröffentlichte auf Labels wie Studio Barnhus und XL Recordings und tourte als DJ um die Welt. Doch zwischen Hotels, Flughäfen und Backstage-Räumen wuchs das Gefühl, sich von dem entfernt zu haben, worum es ihm ursprünglich ging: eine tiefere Verbindung zur Musik.
Nach seinem Umzug nach Los Angeles und einigen selbst veröffentlichten Gitarren-Mixtapes fand er zu einem direkteren, persönlicheren Sound. Seine jüngsten Arbeiten wirken so konzentriert und charakterstark wie nie zuvor – reduziert auf Notizbuch, Gitarre und Vierspurrekorder. Die Vergangenheit liegt noch im Rückspiegel, beginnt aber langsam, Sinn zu ergeben. Der Blick bleibt nach vorn gerichtet.
Fotocredits: Baba Stiltz © Elsa Hammarén